Geschichte der Feuerwehr Kronberg

Veröffentlicht 1999 in der Festschrift, anlässlich des 125jährigen Bestehens

RTEmagicC 1876-FFW 01.jpgAm 27. Juli 1874 gründeten 18 Bürger eine Freiwillige Feuerwehr. Dass die Kronberger sich und ihren hergebrachten Überlieferungen treu blieben, beweist nicht zuletzt die Gründung der Wehr gerade in diesen Jahren. Vorangegangen war schon die sogenannte "Turnerwehr". Diese hatte, ohne feste Organisation, seit der Gründung des Männerturnvereins im Jahre 1862 bestanden. Es gibt jedoch noch ältere Ursprünge, denn schon in der Nassauischen Feuerpolizei - Verordnung von 1826 wurde verfügt: "In den größeren Gemeinden wird außer der zur Bedienung der Feuerspritze etc. bestimmten Mannschaft aus den ansässigen Einwohnern von dem Ortsvorstande eine Abteilung rüstiger Männer ausgewählt, welche unter eigenen Anführern steht und zum Retten von Menschen, Haustieren und Effekten bestimmt ist."

Als die neue freiwillige Wehr am 10. Januar 1875 ihre erste Jahreshauptversammlung abhielt, zählte sie schon 47 Mitglieder, und diese kamen wohl alle aus jenem alteingesessenen Bürgertum, in dem die seit dem Mittelalter gültige Maxime des "Einer für alle, alle für einen" noch gültig war. Auch heute noch besteht der Kern der Wehr aus Angehörigen dieser Familien, ja man kann sagen, dass die Zugehörigkeit zur Wehr für viele Kronberger Familien Tradition geworden ist, da nun schon mehrere Generationen in ihr zum Wohle der Stadt gedient haben. So zählt heute die Wehr 13 Mitglieder, die ihr mehr als 50 Jahre angehören.

Die Zahl der Mitglieder schwankte immer, je nach den geschichtlichen Einflüssen. 1896 zählte man 48 Aktive, 1906 waren es 62. Im Sommer 1914 waren von den Gründern der Wehr noch 4 aktiv. Nach Kriegsausbruch mussten 28 Wehrmänner einrücken, 1915 waren es schon über 40, so dass man auf eine Pflichtfeuerwehr zurückgreifen musste. 1917 zählte man unter den 79 Mitgliedern 50 im Wehrdienst. Vier Gefallene waren bei Kriegsende zu beklagen. Im Jahre 1922, als die Schwierigkeiten der ersten Besatzungszeit überwunden waren, hatte die Wehr wieder 79 Mitglieder, 1928 waren es 87 aktive Wehrmänner, 1934 deren 99. 1937 wurden 42 Feuerwehrangehörige vereidigt. Im zweiten Weltkrieg hatte man alle Männer, die nicht im Wehrdienst standen, für die Feuerwehr dienstverpflichtet, und 1943 wurde sogar mit 28 Freiwilligen eine Frauenfeuerwehr gegründet, die unter der Leitung von Gertrud Lohmann, der Tochter des langjährigen Brandmeisters Wilhelm Lohmann, stand. Als zu Beginn des Jahres 1946 der Neuaufbau begann, zählte man 97 "Aktive", und Ende Mai war diese Zahl schon auf 128 aktive und 35 passive Mitglieder angestiegen. Für 1950 sind insgesamt 183 Mitglieder verzeichnet, von denen 101 aktiven Dienst taten.

RTEmagicC 196x-LF15.jpgWenn man diese beeindruckenden Zahlen in den Protokollen liest, so hat man den Eindruck, dass Personalsorgen nicht bestanden haben können. Dennoch kam es 1957 zur Gründung der Jugendfeuerwehr oder, wie man damals sagte, der Schülergruppe - und das wahrscheinlich als 3. in der damaligen Bundesrepublik. Versetzen wir uns also zurück in das Jahr 1957: Die Wehr zählte nach den Unterlagen 86 aktive Mitglieder, denen 2 Fahrzeuge - ein altes LF 15 und ein ebenso altes LF 8 - zur Verfügung standen. Dazu kamen noch einige kleinere Löschgeräte, die nach heutigen Maßstäben kaum der Erwähnung bedürfen. Heute haben wir rund 70 aktive Mitglieder und 11 mit modernsten Geräten ausgestattete Fahrzeuge. Warum also die Gründung einer Jugendfeuerwehr, wo doch die Relation zwischen Mannschaftsstärke und dem zur Verfügung stehenden Gerät günstiger war als heute?

Man muss in den Protokollen zwischen den Zeilen lesen, um die Gründe für die Schaffung einer Jugendfeuerwehr zu finden. Solche Hinweise finden sich schon in den ersten Hauptversammlungen nach dem Krieg: In der ersten freien Mitgliederversammlung am 26.01.1946 wurde unter Tagesordnungspunkt 5 beschlossen, die Altersgrenze - die zur Zeit der Feuerlöschpolizei eingeführt worden war - wieder Fallenzulassen. Jeder konnte also in der aktiven Abteilung verbleiben, solange er sich selbst dazu in der Lage sah. Die Altersabteilung zählte demzufolge teilweise nicht mehr als 5 Mann, bei teilweise über 100 Aktiven. Es ist klar, dass dies bei fehlendem jungen Nachwuchs zu einer Überalterung führen musste. In der Generalversammlung vom 11.04.1947 gab der damalige Bürgermeister Zubrod denn auch schon der Hoffnung Ausdruck, "es möchte der Wehr gelingen, die Nachwuchsfrage in positivem Sinne zu überwinden." In derselben Generalversammlung wurden eine Reihe von Vorschlägen, die darauf abzielten, der Wehr neues Blut "aus den jüngeren Einwohnern" zuzuführen, diskutiert. Und dies, obwohl ein Jahr zuvor 105 "aktive Mitglieder" verzeichnet wurden. Eine Beschlussfassung zu diesen Vorschlägen erfolgte jedoch bezeichnenderweise nicht; offenbar war die Zeit dafür noch nicht reif. Wenn man also zwischen den Zeilen der Protokolle liest, kommt man zu dem Eindruck, dass nicht alle aktiven Feuerwehrleute, die damals gezählt wurden, aktiv im einsatzfähigen Sinne waren. Einen ganz deutlichen Hinweis darauf enthält eine Protokollnotiz vom 27.08.1955, wo über eine "Versammlung der jüngeren Feuerwehrleute" berichtet wird. Anwesend waren 16 Mann, so dass man auf maximal 20 Mann schließen kann, die dieser Kategorie angehörten. Diese jüngeren Feuerwehrleute - unter der Führung von Heinz Feger, Adam Bettenbühl und Josef Schleiffer - bildeten so die Keimzelle einer sich verjüngenden Wehr. Diese rund 20 jüngeren Feuerwehrmänner waren jedoch für die vor der Wehr liegenden Aufgaben einfach zu wenig. Die "Nachwuchsfrage", die seit 1947 im Raum stand, war schließlich immer noch nicht vollständig gelöst; aufgrund der fehlenden Altersgrenze stand die Alterspyramide Kopf. Die Schaffung einer Jugendgruppe, durch die junge Leute gut ausgebildet der Einsatzabteilung zugeführt wurden, kann daher nur als konsequent bezeichnet werden. Und der benötigte Nachwuchs rollte. Teilweise wurden in manchen Jahren (z. B. 1963) bis zu neun Kräfte in die Einsatzabteilung übernommen. Man kann daher heute - 47 von 64 Aktiven unserer Wehr entstammen der Jugendfeuerwehr - mit Fug und Recht sagen, dass die Gründung der Jugendfeuerwehr im Jahre 1957 in personalwirtschaftlicher Sicht - wie man es heute ausdrücken würde - einen Wendepunkt in der Geschichte der Wehr darstellt.

Für das Jubiläumsjahr 1964 werden ein Hauptbrandmeister, 3 Oberbrandmeister, 8 Brandmeister, 7 Löschmeister, 24 Oberfeuerwehrmänner, 40 Feuerwehrmänner, 6 Ehrenmitglieder und 189 passive und fördernde Mitglieder genannt. An ihrem 100sten Geburtstag im Jahre 1974 waren es in der Gesamtwehr 86 aktive und 118 passive und fördernde Mitglieder. Hinzu kam eine Alters- und Ehrenabteilung mit 26 Mitgliedern und eine Jugendfeuerwehr mit 20 Angehörigen.

Heute, in ihrem Jubiläumsjahr gehören der Einsatzabteilung 64 Mitglieder an. Dazu kommt eine Ehren- und Altersabteilung mit 31 Mitgliedern und eine Jugendfeuerwehr mit ca. 30 Angehörigen.

Ein alter Soldatenspruch besagt, dass eine Gruppe so gut ist wie ihre Führer, und dieser Spruch hat seine Gültigkeit auch in der Kronberger Wehrgeschichte von 125 Jahren bewiesen. Die Wehr hat sich nach tastenden Anfängen stets echte Persönlichkeiten zu wählen verstanden. Nach anfänglich mehrfachem Wechsel kam es im April 1876 mit Johann Christian Kunz zu einem Mann an der Spitze, der es verstand, die Sache der Wehr tatkräftig zu vertreten. Er war Schlossermeister, betrieb außerdem eine Kohlenhandlung und führte schließlich sogar in seinem Hause Am Graben die Stadtkasse. Als er als 70jähriger 1907 verstarb, hatte sich die Freiwillige Feuerwehr Kronberg aus bescheidenen Anfängen heraus zu einer festgefügten Gemeinschaft entwickelt, die auch technisch schon relativ gut ausgerüstet war. Da sein Sohn, Philipp Balthasar Kunz, wegen starker geschäftlicher Inanspruchnahme nur die Wahl zum zweiten Brandmeister annahm, wurde der Schlossermeister Heinrich Küchler, der ebenso wie Philipp Balthasar Kunz als 24jähriger 1896 in die Wehr eingetreten war, 1. Brandmeister. Philipp Balthasar Kunz erlag 1925 im Dienst, während eines Brandes in der Eichenstraße, einem Herzschlag. Sein Nachfolger wurde der Gärtner Louis Jung. Heinrich Küchler, 1928 durch den Titel eines Oberbrandmeisters ausgezeichnet, konnte 1932 ein Doppeljubiläum begehen: Er war damals 35 Jahre Feuerwehrmann und 25 Jahre Brandmeister. Zwei Jahre später, 1934 mussten er und das ganze Kommando zurücktreten, weil ein neues Feuerwehrgesetz alle, die mehr als 60 Jahre zählten, vom aktiven Dienst ausschloss. Er und Louis Jung wurden 1935 zu Ehrenbrandmeistern ernannt. Küchler starb 1936, während Jung noch das 75jährige Jubiläum von 1949 als 79jähriger mitfeiern konnte.

RTEmagicC 1936-Dachstuhlbrand.jpgEs ist jedoch davon auszugehen, dass Heinrich Küchler auch ohne Einführung einer Altersgrenze an der Spitze der Wehr hätte weichen müssen. Als aufrechter Demokrat war Küchler den neuen Machthabern ein Dorn im Auge. Noch auf der Jahreshauptversammlung am 21. Januar 1933 hatte Oberbrandmeister Küchler gemahnt, die Kameradschaft weiter unter Beiseitelassung aller Politik zu pflegen. Doch schon Ende Mai 1934, während man noch über das nahe gerückte Fest sprach, kam ein Schreiben der Nationalsozialisten zur Verlesung, mit dem die Vereinsführer für das Erscheinen aller Mitglieder bei Parteiveranstaltungen verantwortlich gemacht wurden. Auch an der Kronberger Wehr gingen die politischen Veränderungen in Deutschland nicht spurlos vorüber. Wenngleich manche in diesen Jahren gerade deshalb zur Wehr gingen, damit sie nicht in Parteiformationen eintreten mussten, wurde auch die Wehr in das nationalsozialistische System voll eingebunden. Die Versammlungen schlossen, wie bei allen anderen Vereinen und Organisationen, in der Regel mit einem "Sieg Heil auf den Führer". Statt einer Eintrittserklärung in die Freiwillige Feuerwehr musste eine "Verpflichtungserklärung" unterschrieben werden, in der gelobt wurde, "im Sinne des nationalsozialistischen Staates meinen Führern gehorsam und meinen Kameraden ein treuer Kamerad zu sein". Wie auf einem Kronberger Dachboden erst kürzlich gefundenen Unterlagen zu entnehmen ist, gehörten zumindest zu der der Wehr angebotenen Ausrüstung auch Seitengewehre bzw. sogenannte Faschinenmesser. Ob diese auch tatsächlich beschafft wurden, ist aus den Unterlagen jedoch nicht ersichtlich. Auch ein Austritt von ca. 12 Feuerwehrmännern aus der SA im Jahre 1934 ist kein Zeichen der Distanzierung der Wehr von den politischen Machthabern dieser Zeit. Vielmehr wurde durch einen Runderlass des Ministers des Innern vom 15.08.1934 vorgeschrieben, dass " im Interesse der Leistungsfähigkeit der Feuerwehren es nicht erwünscht ist, dass Feuerwehrmänner oder -führer gleichzeitig auch Mitglied der SA oder SS sind, da durch die doppelte Inanspruchnahme die Dienstfreudigkeit der Feuerwehrmänner leidet." Kurzum, die Wehr war wie alle anderen Organisationen durch das nationalsozialistische System vereinnahmt worden. Keiner konnte sich folgenlos entziehen. Für Nachgeborene mag dies schwer zu verstehen sein. Sie haben nie Gewaltherrschaft erfahren. Die damalige Entwicklung riss aber alle mit und in einer Zeit, in der auch die deutschen Eliten zu einem überwältigenden Teil den Marsch in die Katastrophe bereitwillig mitmachten, konnte von dem einfachen Bürger sicher keine höhere Einsicht gefordert werden und Widerstand mit all seinen Folgen für Leib und Leben wagten ohnehin nur wenige.

RTEmagicC 1934-FFW.jpgDie nach dem schon erwähnten Rücktritt des alten Kommandos neuen Führer der Wehr wurden nicht mehr frei gewählt, sondern ernannt. Heinrich Küchlers Nachfolger als Hauptbrandmeister wurde Hans Kunz, Automechanikermeister, ein Sohn des bekannten Kronberger Schmieds und Wagenbauers Johann Kunz und Mitbegründer der Firma Opel Kunz in der Frankfurter Straße, heute zur Firmengruppe Georg von Opel gehörend. Zum Glück waren die neuen Führer jedoch keine "Parteibonzen", sondern tüchtige erprobte und langjährige Feuerwehrleute, die die Wehr durch die schwierige Zeit führten. Die Tatsache, dass Hans Kunz die Wehr bis zu seinem Tod im Jahre 1964 leitete, zeigt, dass er auch in der wieder demokratisch verfassten Wehr als rechtschaffener Mann die unumstrittene Führungspersönlichkeit war.

In der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 03. April 1964 wurde der Dachdeckermeister Heinz Feger zum Ortsbrandmeister und der Bankkaufmann Josef Schleiffer zu seinem Stellvertreter gewählt. Nach dem Zusammenschluss von Alt-Kronberg, Schönberg und Oberhöchstadt zur neuen Stadt Kronberg im Jahre 1972 entstanden 3 Feuerwehrabteilungen mit 3 Wehrführern und einem Stadtbrandinspektor. Heinz Feger wurde dieser Stadtbrandinspektor, sein Stellvertreter der damalige Oberhöchstädter Wehrführer Nikolaus Conradi, während Josef Schleiffer das Amt des Wehrführers im Stadtteil Kronberg und damit die Führung der Kronberger Feuerwehr übernahm. Josef Schleiffer trat 1986 mit 50 Jahren zurück, um Jüngeren Platz zu machen. Sein bisheriger Stellvertreter Hartmut Habig übernahm die Führung der Wehr. Stadtbrandinspektor Heinz Feger schied 1991 aus Altersgründen aus. Sein Nachfolger wurde der heutige Stadtbrandinspektor Jürgen Link, an dessen Stelle als stellvertretender Wehrführer Gunnar Milberg trat.

RTEmagicC 1968-Fahrzeuge 05.jpgDass die Kronberger Wehr heute als eine der am modernsten ausgerüsteten und schlagkräftigsten im ganzen Kreisgebiet gilt, verdankt sie zum einen ihren Führern, zum anderen aber auch der steten Förderung durch Stadt und Bürgerschaft, Kreis und Land. Alle Kronberger Bürgermeister haben sich nach Kräften für die Wehr eingesetzt, viele Kronberger Mitbürger haben ihr durch Spenden manche Anschaffung ermöglicht. Ein Bürgermeister, Dr. Günther Jacobi, war sogar aktives Mitglied der Wehr. Auch er zählte zu der jüngeren Generation, die auch durch die Gründung der Jugendfeuerwehr für die Fortentwicklung der Wehr sorgten. Im Jahre 1956 trat er im Alter von 33 Jahren sein Amt als Bürgermeister der ehemaligen Stadt Kronberg an. Bereits in der Generalversammlung am 23.02.1957 trat er der Wehr als aktives Mitglied bei, und dies nicht nur pro forma. Entscheidendes leistete er für die Ausstattung der Wehr. Schnell hatte er erkannt, dass die beiden alten Fahrzeuge der Wehr für die Aufgaben der Zukunft nicht mehr ausreichend waren. Bereits im Jahre 1957 beschaffte er ein neues LF 8. Ende der 50er Jahre wurde ein vom damaligen Obertaunuskreis angeschaffter Schlauchwagen in Kronberg stationiert, im Jahre 1961 wurde die Drehleiter DL 18 beschafft und im Jahre 1964 schließlich das TLF 16. In nur 7 Jahren war der Fuhrpark der Wehr vollständig modernisiert und lag im gesamten Kreis weit vorn. Noch während seiner Amtszeit wurde das heutige Gerätehaus geplant, welches im Jahre 1968 bezogen werden konnte. Der Grundstock für die heutige Ausstattung und auch für den Stützpunkt Kronberg war damit gelegt.

RTEmagicC spritze 01.jpg Die 1861 von der Stadt erworbene Spritze wurde von der Freiwilligen Feuerwehr übernommen, eine Saug- und Druckspritze wurde 1882 von der Heidelberger Firma Metz gekauft. Hinzu kam noch eine Barockspritze aus dem Jahre 1757, die damals schon eine Antiquität darstellte. Erstaunlicherweise hat diese Barockspritze als einzige überlebt; sie wurde in den Jahren 1992 bis 1994 von Kameraden der Wehr vorbildlich restauriert und stellt heute ein Schmuckstück der Wehr dar. Neben den "Rettern", neben den "Sappeurs", den Schlauchführern und Spritzenmeistern gab es als besondere Gruppe die "Pompiers", also die Männer an den Pumpen.

Schon 1907 wurde ein Transportwagen für nasse Schläuche beantragt. Wann die ersten motorgetriebenen Spritzen erworben wurden, lässt sich heute nicht mehr exakt datieren. Fest steht, dass die Wehr schon in der Zeit zwischen den beiden Kriegen mit entsprechenden Motorspritzen ausgestattet war und während des 2. Weltkriegs über zwei Löschfahrzeuge - ein LF 8 und ein LF 15 - verfügte.

Heute verfügt die Wehr über ein TLF 16/25, ein LF 16/12, eine Drehleiter, einen Rüstwagen RW 1, ein TLF 24/50, einen Schlauchwagen SW 1000, einen Einsatzleitwagen 2, einen Einsatzleitwagen 1 sowie einen Gerätewagen für Atem- und Strahlenschutz und eine GW-N.

Wollte einmal einer zusammenzählen, wie viele Stunden die Mitglieder der Wehr seit 1874 für Übungen, Lehrabende, Brandwachen, Einsätze und Ausbildungen geopfert haben, er käme wohl auf eine stattliche Zahl nicht nur von Wochen und Monaten, sondern von vielen Jahren. Alle Einsätze und Hilfeleistungen aufzählen zu wollen, hieße, den Rahmen dieser Chronik zu sprengen. Schon 1935 begannen die Vorträge über Luftschutz, Luftschutzräume, Angriffswaffen und die Löschung von Brandbomben. Der Theorie folgten die praktischen Übungen und anschließend die schreckliche Wirklichkeit des 2. Weltkriegs. Zwischen Oktober 1943 und März 1945 nahm die Wehr an zusammen 20 Einsätzen in den schwer heimgesuchten Städten Frankfurt und Offenbach teil und war mit einem Löschfahrzeug sogar in Kassel. Auch in Kronberg selbst kam es im August 1942 und im November 1943 sowie im März 1945 zu Brandbombenabwürfen und damit zu Bränden, die ein rasches Eingreifen notwendig machten. Schwerster Verlust war dabei die Burgkapelle, die vollständig ausbrannte, nur der Chor konnte wieder hergerichtet werden.

RTEmagicC 1967-Schlosshotel 01.jpgEin ebenfalls unvergessenes Ereignis war der durch Brandstiftung hervorgerufene Brand von Schloß Friedrichshof am 08. März 1967. Neben der Kronberger Wehr waren viele weitere Wehren, darunter auch die Frankfurter und Wiesbadener Berufsfeuerwehr, an diesem Einsatz beteiligt. Während der Dachstock und das 2. Obergeschoss zerstört wurden, konnten das 1. Obergeschoss und das Erdgeschoss dieses wertvollen Baudenkmals gerettet werden.

Bereits ab den 30er Jahren rückte die Wehr Kronberg aufgrund ihrer guten Ausstattung auch über die Ortsgrenzen zur nachbarschaftlichen Löschhilfe aus. Seit 1971 bildet die Wehr Kronberg zusammen mit der Königsteiner Wehr einen Stützpunkt, der das Gebiet des westlichen Hochtaunuskreises abdeckt. Diese außergewöhnliche Konstruktion - zwei selbständige Städte bilden zusammen einen Feuerwehrstützpunkt - hat sich bis heute bewährt und die Zusammenarbeit mit den Kameraden aus Königstein gestaltet sich außerordentlich gut. Viele Fahrzeuge der Wehr - z. B. der Gerätewagen Atem- und Strahlenschutz, der ELW 2 und das TLF 24/50 - werden nicht zuletzt für überörtliche Einsätze vorgehalten und der Unterhalt dieser Fahrzeuge wird dementsprechend auch durch den Hochtaunuskreis bezuschusst.

Auch im Bereich der Ausbildung leistet die Wehr Kronberg ihren Beitrag für den ganzen Kreis. Seit 1970 finden in Kronberg Grund- und später auch Truppführerlehrgänge statt, für die die Wehr Kronberg und auch die Wehr Oberhöchstadt von Anfang an auch den Großteil der Ausbilder stellte.

Die letzten 25 Jahre

Die seither vergangenen Jahre wurden vor allem durch die Modernisierung der Wehr geprägt. Den Bürgermeistern von 1964 bis 1997 stand als ehrenamtlicher Stadtrat und Brandschutzdezernent Josef Schleiffer zur Seite, der seit 1964 erst als Stellvertretender Ortsbrandmeister und von 1972 bis 1986 als Wehrführer auch Führungsverantwortung in der Wehr trug. Diese Kombination erwies sich als glücklich für die Wehr, war sie doch damit fachkompetent im Magistrat selbst vertreten.

RTEmagicC 1974-Fahrzeuge 02.jpg1974 verfügte die Wehr über ein TLF 16, ein LF 16 , eine Drehleiter DL 18, einen Schlauchwagen SW 1000 und einen Rüstwagen RW 2, der vom Land Hessen dem Stützpunkt Kronberg zur Verfügung gestellt wurde. Hinzu kam noch ein Mannschaftstransportwagen.

Bereits seit der Einweihung des Gerätehauses in der Heinrich-Winter-Straße im Jahre 1969 konnte die Wehr im übrigen auch bei der Alarmierung auf ihren hauptamtlichen Gerätewart zurückgreifen. Schon damals hatten die Verantwortlichen im Magistrat erkannt, dass die Fülle der anfallenden Arbeiten an Fahrzeugen und Geräten nur ehrenamtlich nicht zu leisten war und das Gerätehaus brauchte auch einen Hausmeister. 30 Jahre lang versah diesen Posten Karl Herrmann und der hervorragende Zustand der Fahrzeuge und Geräte und vor allem die Sauberkeit des Hauses, die die Besucher immer wieder beeindruckt, sind sein Verdienst, auch wenn er durch ehrenamtliche Helfer immer unterstützt wurde. Mit seinem altersbedingten Ausscheiden ging auch ein Stück Kronberger Feuerwehrgeschichte zu Ende. Sein Nachfolger Lars Benndorf versieht seit dem 01.02.1999 seinen Dienst.

Bis auf den Schlauchwagen sind inzwischen alle Fahrzeuge durch neue Generationen ersetzt worden. 1990 wurde ein neues TLF 16 beschafft. Das LF 16 wurde 1994 ersetzt. Schon vorher - 1984 - war die alte Drehleiter durch eine DLK 22 ersetzt worden und der Mannschaftstransporter hatte mit dem von der Wehr selbst angeschafften Kleinlastkraftwagen schon den zweiten Nachfolger gefunden. Auch der Stützpunkt Kronberg wurde konsequent ausgebaut: Zusätzlich wurde 1977 ein Großtanklöschfahrzeug TLF 24/50 beschafft, 1985 ein Einsatzleitfahrzeug; ein Gerätewagen Atemschutz/Strahlenschutz (1988) und ein Einsatzleitwagen 2 (1990) folgten. Die einzelnen Fahrzeuge, ihre Aufgaben und ihre technische Ausrüstung sind auf dieser Website dargestellt.

Der Umbau der Stadthalle in den Jahren 1988 bis 1990 machte auch eine Erweiterung des Gerätehauses notwendig. Drei Fahrzeugboxen fielen dem neuen Bühnenunterbau zum Opfer und auch für die zusätzlichen Stützpunktfahrzeuge musste Platz geschaffen werden. So entstand der Anbau hinter dem "alten" Gerätehaus, in dem heute 6 Fahrzeuge und die Umkleidemöglichkeiten untergebracht sind.

Angesichts steigender Einsatzzahlen waren die Investitionen auch geboten. Waren im Jubiläumsjahr 1974 noch 14 (!) Einsätze in den Protokollen verzeichnet (wobei sicher zu dieser Zeit nicht jeder kleine Einsatz protokolliert wurde), stieg die Zahl 1976 erstmals über 100 und erreichte im Jahre 1990 ein Rekordniveau von über 200 Einsätzen (Dieser Rekord wurde erst im Jahre 2002 durch eine Einsatzzahl von 274 aufgehoben).

RTEmagicC 1988-ABZ-DB.jpgVor allem der Brandanschlag auf das Ausbildungszentrum der Deutschen Bank erregte bundesweit, ja international, Aufsehen. Der Anschlag - zum dem sich einige Tage später eine Gruppierung der linken Terrorszene bekannte - wurde von einer Gruppe von ca. 5 - 6 Personen verübt, die die Scheiben des Gebäudes im Erdgeschoss und Obergeschoss zerstörten und Flaschen mit brennbaren Flüssigkeiten und brennende Lötlampen in das Gebäude warfen. Der Einsatz machte ein Großaufgebot der Feuerwehren von Kronberg, Oberhöchstadt, Stierstadt, Königstein und Falkenstein notwendig, durch den es gelang, die angrenzenden Gebäude und vor allem die 80 Seminarteilnehmer zu retten. Bei diesem Einsatz zeigte sich die Wichtigkeit der frühzeitigen Alarmierung und nachbarschaftlicher Löschhilfe, durch die es gelang, ohne große Verzögerung einen umfassenden Löschangriff vorzutragen, obwohl die Wehr Kronberg am Anfang zumindest teilweise durch die Menschenrettung gebunden war. Die in gemeinsamen ortsteilübergreifenden Übungen entwickelte Zusammenarbeit trug hier wertvolle Früchte.

Neben schweren Verkehrsunfällen - sowohl mit Verletzten als auch Toten - ist der schwere Frontalzusammenstoß zweier Fahrzeuge in der Nacht zum 21.10.1989 auf der Bundesstraße 455 in Höhe des Opelzoos zu nennen, bei dem ein Fahrer getötet wurde und nur unter schwierigstem technischen Aufwand aus dem völlig zerstörten Fahrzeug geborgen werden konnte. Auch am 01. Februar des Jubiläumsjahres konnte nach einem Frontalzusammenstoß eines PKW mit einem Lastzug der Fahrer des PKW nur noch tot geborgen werden.

Und schließlich ist neben zahlreichen anderen auch das schwere Hochwasser nach einem stundenlangen Unwetter im Sommer 1981 zu nennen, als wieder über 40 Einsätze geleistet werden mussten und der Ortskern von Schönberg völlig unter Wasser stand.

In der Führung der Wehr gab es eine Zäsur, als der langjährige Stadtbrandinspektor und frühere Ortsbrandmeister Heinz Feger 1991 das Amt an den heutigen Stadtbrandinspektor Jürgen Link weitergab. Bereits zuvor - 1986 - hatte der ebenfalls langjährige Wehrführer Josef Schleiffer im Alter von 50 Jahren sein Amt an Hartmut Habig weitergegeben, um der nächsten Generation Platz zu machen. So wurde die Wehr von Hartmut Habig und seinem Stellvertreter Gunnar Milberg geführt; Stadtbrandinspektor Jürgen Link stand der Gesamtwehr einschließlich der Stadtteilwehr Oberhöchstadt vor. Heute bekleidet Lars Benndorf das Amt des Wehrführers; sein Stellvertreter ist Kai Habig. Die Aufgaben des Stadtbrandinspektors hat Gunnar Milberg übernommen.

Mit dem freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Oberhöchstadt und Schönberg sowie der Stadt Kronberg zu der neuen Stadt Kronberg im Taunus kam es auch zu der Bildung der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Kronberg im Taunus, bestehend aus den Stadtteilwehren Kronberg, Oberhöchstadt (gegründet 1891) und Schönberg (gegründet 1928). Alle bisher selbständigen und auf ihre eigene Tradition stolze Wehren mussten sich an diesen Zustand erst gewöhnen. Aber schon seit vielen Jahren - in den Stadtteilwehren Kronberg und Oberhöchstadt stellen heute die Generationen die Mehrheit, die nur die gemeinsame Stadt und Feuerwehr Kronberg im Taunus kennen - ist dies jedoch kein Thema mehr und es bestehen enge und freundschaftliche Bindungen zwischen beiden Wehren, die sich auch in gemeinsamen Übungen und Veranstaltungen zeigen.

Bis zum Jahre 1986 bestanden die Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Kronberg im Taunus, wie schon dargestellt, aus den Stadtteilwehren Kronberg, Oberhöchstadt und Schönberg. Am 16. Mai 1986 fusionierten die Wehren Kronberg und Schönberg. Beide Wehren leisteten damit einen Beitrag zur Kostenreduzierung im Brandschutzwesen der Stadt und waren damit anderen Feuerwehren in Hessen um mindestens 10 Jahre voraus.

Seitdem wird im Alarmfall nur noch von dem Stützpunkt Heinrich-Winter-Straße ausgerückt und die aus der ehemaligen Wehr Schönberg herausgegangenen Kameraden bilden einen wertvollen Bestandteil der Wehr Kronberg.

Was bringt die Zukunft?

Alle hervorragende Ausrüstung ist vergebens, wenn eines nicht ausreichend vorhanden ist, der innere Antrieb, der Wille zur uneigennützigen Tat, zum freiwilligen unentgeltlichen Dienst am Nächsten.

Wenn man die Entwicklung unseres Landes sieht, wo oft Freizeit, Selbstverwirklichung, ja fast Egoismus und Egozentrik und nicht die Gemeinschaft der Bürger im Vordergrund steht und wo häufig "Verdrossenheit" als Ausrede für die Flucht aus der Verantwortung in allen Bereichen herhalten muss, könnte ein Blick in die Zukunft sorgenvoll sein. So verzeichnen denn auch die ehrenamtlichen Tätigkeiten einen Rückgang, bundes- und auch landesweit, wenngleich bei den Feuerwehren auf einem relativ hohen Niveau.

Angesichts von 64 Aktiven, wobei allein im Jubiläumsjahr 5 neue Mitglieder aus der Jugendfeuerwehr übernommen werden konnten und angesichts einer Jugendfeuerwehr, die immer über 30 Mitglieder zählt, ist jedoch Zuversicht angebracht, dass wir auch in der Zukunft unserem Wahlspruch gerecht werden können,

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!